Weshalb auch 10% mehr Freistellung dein Mitwirkungs-problem nicht löst
- 8. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Viele Diskussionen rund um Mitwirkung beginnen immer an derselben Stelle: Wie viele Stellenprozente stehen der Personalvertretung zu? Die Logik dahinter wirkt plausibel: Mehr Zeit führt zu besserer Mitwirkung. Doch genau hier liegt der Denkfehler. Die Praxis zeigt ein anderes Bild: Organisationen mit grosszügigen Ressourcen kämpfen oft mit denselben Problemen wie jene mit knappen Mitteln. Zu wenig Wirkung, zu viele Diskussionen und zu wenig Klarheit. Die unbequeme Wahrheit ist: Mehr Zeit löst kein strukturelles Problem.
Mitwirkung scheitert selten an Ressourcen – sondern am System
Viele Personalvertretungen erleben eine wachsende Lücke zwischen den Anforderungen und den verfügbaren Mitteln. Weshalb?
Steigende Komplexität: Organisationen werden vielschichtiger und anspruchsvoller in ihrer Steuerung.
Zunehmende Digitalisierung: Technologischer Wandel verändert Arbeitswelten in hohem Tempo.
Häufige Reorganisationen: Strukturelle Veränderungen nehmen zu und betreffen immer mehr Mitarbeitende.
Fachkräftemangel und Arbeitgeberattraktivität: Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal macht eine glaubwürdige Mitwirkungskultur zum entscheidenden Standortfaktor.
Wachsende Erwartungen: Mitarbeitende erwarten mehr Beteiligung, Transparenz und Mitgestaltung.
Und gleichzeitig bleibt die Diskussion häufig bei: "Wie viel Zeit steht der Personalvertretung für ihre Arbeit zu?" Doch es geht um viel mehr als um diese Frage.
Mitwirkung ist keine Zeitfrage, sondern eine Architekturfrage
Die zentrale Frage ist also, ob ein Unternehmen mit der Mitwirkungsarbeit auch wirklichen Mehrwert erzielen will oder einfach die gesetzliche Pflichterfüllung anstrebt. Reflektiere gerne einmal, welchen Reifegrad ihr in der Personalvertretung habt. Seid ihr im Konfrontationsmodus oder auf der Ebene, dass zwar transparent ist, was läuft, jedoch kein Einfluss stattfindet? Oder seid ihr bereits auf der Stufe angekommen, auf welcher für das Unternehmen auch Mehrwert erwartet werden darf?
Es gibt vier Investitionssäulen, die es zu bedienen gilt:
Zeit: Ausreichende Freistellung je nach Reifegrad der Mitwirkung und Komplexität.
Digitale Infrastruktur: Tools für Kommunikation, Dokumentation und Zusammenarbeit.
Kompetenz: Fachwissen, Verhandlung und Prozessverständnis.
Support: Externe Beratung, Rechtsunterstützung und Vernetzung.
Sei dir als Personalvertretung auch bewusst, dass die nötigen Mittel für die Mitwirkungsarbeit vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden müssen.
Und jetzt?
Bevor ihr euch also in der Personalvertretung über die Höhe der Freistellung Gedanken macht, ist die zentrale Frage vielmehr: Welchen Reifegrad hat die eigene Organisation im Thema Mitwirkung? Das ist nicht nur eine reine Personalvertretungsfrage, sondern eine Frage, die es als Unternehmen zu beantworten gilt.
Fazit: Der Schlüssel zur Mitwirkung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mitwirkung in Unternehmen nicht nur eine Frage der Ressourcen ist. Es geht um die richtige Architektur. Wenn wir die vier Investitionssäulen berücksichtigen, können wir die Mitwirkung nachhaltig verbessern. Nimm dir als Personalvertretung mindestens einmal im Jahr Zeit, um das Thema an einer Retraite zu behandeln. Es geht um die richtige Zielsetzung, damit Wirkung entstehen kann.
Für mehr Informationen, Coachings oder konkrete Tagungen zum Thema Reifegrad in der Mitwirkung kommt gerne auf uns zu.

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